Um sich ständig weiter entwickeln zu können, sollte man regelmäßig über den eigenen Tellerrand hinausschauen und sich keinesfalls auf bereits erreichten Lohrbeeren ausruhen. Daher ist es uns an dieser Stelle eine besondere Freude, Ihnen einige außergewöhnliche Europäische Projekte vorzustellen. Die Wissenschaftsinitiative Niederösterreich hat an diesen Projekten zwar nicht als Partner teilgenommen, nichts desto Trotz verdienen die folgenden Projekte unserer Meinung nach alle den Status „Best-Practise-Example“:


Family Caregiver Support

Psychische Störungen sind in Europa weit verbreitet und stellen eine große Belastung für den Einzelnen, die Gesellschaft und die Wirtschaft dar. Sie machen 22 % der Belastung durch Behinderungen in der EU aus, gemessen in Lebensjahren mit Behinderungen (YLD). Diese Belastung durch psychische Störungen hängt mit der hohen Prävalenz psychischer Gesundheitsprobleme zusammen – wobei die meisten Fälle zu Beginn des Lebens, oft vor Erreichen des Erwachsenenalters, auftreten – und den damit verbundenen Auswirkungen auf den Einzelnen, die Gesellschaft und die Wirtschaft sowie mit der Tatsache, dass etwa die Hälfte der Menschen mit psychischen Gesundheitsproblemen keine evidenzbasierte Behandlung erhält.

Im Jahr 2015 lebten in den europäischen Ländern schätzungsweise 9,6 Millionen Menschen mit Demenz, was fast einem von 50 Menschen entspricht. Darüber hinaus wird die höhere Lebenserwartung in den kommenden Jahren zweifellos zu einem Anstieg dieser Zahlen führen.

Bei der Betreuung von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen spielen die Familienbetreuer eine zentrale Rolle. Dies ist eine wichtige Tatsache, und das Ergebnis ist, dass die Mehrheit der Pflegerinnen und Pfleger 24 Stunden am Tag, an jedem Tag des Jahres, mit der Krankheit ihres betroffenen Angehörigen leben. Laut einer in mehreren europäischen Ländern durchgeführten Umfrage wurde berichtet, dass die Betreuer von Menschen mit psychischen Erkrankungen durchschnittlich 6 bis 9 Stunden pro Tag mit der Betreuung verbringen. Außerdem sind 36% dieser Personen die einzigen Betreuer. Trotz ihrer wichtigen Rolle fühlen sich die Betreuer häufig vom Gesundheitssystem unterbewertet. Obwohl es keinen Zweifel an der wichtigen Rolle gibt, die die Familien spielen, haben sie häufig das Gefühl, dass ihre eigenen Bedürfnisse vernachlässigt werden.

Untersuchungen zeigen, dass Familienmitglieder, die Personen mit chronischen oder behindernden psychischen Erkrankungen pflegen, selbst gefährdet sind. Emotionale, psychische und physische Gesundheitsprobleme entstehen durch komplexe Pflegesituationen und die Belastungen bei der Pflege von gebrechlichen oder behinderten Angehörigen. Der medizinische Fortschritt, kürzere Krankenhausaufenthalte und die Ausweitung der häuslichen Pflegetechnologie haben die Verantwortung für die Pflege von Familien erhöht, die für längere Zeiträume größere Pflegelasten tragen müssen.